Online Katalog zur 63. Tribal Art Auktion mit Sonderteil 'Wunderkammer'
451 Figurengruppe
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Nigeria, Adamaua
beigefarbige Terrakotta, Spuren von schwarzer Farbe, große Sitzfigur im Zentrum, umgeben von drei kleineren Assistenzfiguren in symmetrischer Gruppierung, charakterisiert durch kugelförmige Köpfe mit Kammfrisuren und hornartigen Fortsätzen, jeweils hohl gearbeitet und mit diversen Öffnungen versehen, best. (Fuß- und Nasenspitzen, Kämme etc.), Reparaturstellen (Hals der großen Figur, Hals und Arm der linken Figur); als Schutzfiguren auf den Feldern aufgestellt, sogenannte "guardians de champs". Die weit, gleichsam zum Schrei geöffneten Münder sollten Eindringlinge fern halten.
H: 50 cm
Vergleichsliteratur
Schädler, Karl-Ferdinand, Erde und Erz, München 1997, p. 190 f.
Verkauft.
452 Tanzaufsatz
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Nigeria, Boki
Holzkern, mit Tierhaut überzogen, Brauen und erhabene Skarifikationsmale durch schwarze Farbe akzentuiert, Augen- und Mundöffnung ausgespart und durch Kaolin hervorgehoben, Zähne aus eingesteckten Holzspleissen, Bart und Frisur aus Echthaar, aufwändig gearbeitet, der Haaransatz konturiert durch Flechtband aus Pflanzenfaser das netzartig über dem Kopf verspannt ist, üppiger Behang aus gedrehtem Schnurmaterial rückseitig, min. besch., Fehlstellen und Risse im Leder (Innenrand des rechten Auges, linke Schläfe), auf runden Sockelblock montiert; die Boki pflegen wie ihre Nachbarn im Süden, die Ekoi/Ejagham und andere zum Crossfluss-Kulturraum zählende Ethnien, die Kopfjägertradition mit den entsprechenden Tanzaufsätzen. Diese sollen ursprünglich aus echten Menschenschädeln von erschlagenen Feinden bestanden haben. Die Schädel wurden zunächst präpariert, dann mit Leder überzogen, mit einer Basis aus Holz oder Korbgeflecht versehen und zum Tanzen aufgesetzt. Sie wurden bei der Trophäenparade vorgeführt, bei der die jungen Krieger die Schädel als Mannbarkeitsbeweise auf dem Kopf trugen. In Gebieten, deren Bevölkerung ständig durch Überfälle, Sippenfehden, Stammeskriege oder Sklavenjagden bedroht war, verwundert die Herausbildung einer solchen Praxis, die nach der Leistungsfähigkeit des jungen Mannes im Kampf fragt, keineswegs. Später wurden die echten Schädel dann durch solche aus Holz ersetzt. Analog wandelte sich ihre Bedeutung von einem Trophäen-Kult zum Schädel-/Ahnenkult. Entsprechend wurden sie nicht mehr bei Kriegstänzen, sondern bei Initiationsriten und Beerdigungszeremonien eingesetzt. Die Kopfaufsätze tragen zwar sehr realistische, aber keine porträthaften Züge und sind keine Verkörperungen eines bestimmten Ahnen. Vielmehr werden sie über Generationen weitervererbt und verkörpern zusammengenommen die edlen Taten aller Ahnen, die sie jemals in Besitz hatten. Wobei sie für den jeweiligen Erben natürlich den jeweils jüngstverstorbenen Besitzer repräsentieren.
H: 26,5 cm
Provenienz
Galerie Fred Jahn, Munich, Germany
Vergleichsliteratur
Schädler, Karl-Ferdinand, Ekoi, München 1982
Preis: 15000 - 30000 €
453 Stehende Figur
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Nigeria, Chamba
Holz, rotbraune Patina, das Gesicht eingefasst von c-förmigen Ohren, bekrönt von kegelstumpfartiger Kopfbedeckung, min. besch., Risse, leichte Abriebspuren, auf Holzsockel montiert; die Chamba haben sich im 17. Jahrhundert am Südufer des Benue unweit der Jukun niedergelassen. Statuetten der Chamba sind selten. Häufiger vertreten sind die stabähnlichen "tauwa"- Figuren, meist mit einem Spieß am unteren Ende zum Einstecken in die Erde. Sie stellten reine Schutzfiguren dar, die vor allem gegen Schlangengift helfen sollten. Bei vorliegender Figur dürfte es sich wohl um eine Ahnenfigur handeln.
H: 36,5 cm
Provenienz
Private Collection, France
Vergleichsliteratur
Schädler, Karl-Ferdinand, Lexikon Afrikanische Kunst und Kultur, München, Berlin 1994, p. 107
Verkauft.
454 Stab
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Nigeria, Eket
Holz, braune, leicht krustierte Patina, mit stehender Figur beschnitzt, min. besch., kleine Fehlstellen (Griff, linker Unterarm, Nasenspitze), feine Risse, auf Holzsockel montiert; die Eket sind eine kleine zu den Ibibio gehörende Volksgruppe im Südosten Nigerias. Wie bei den Ibibio gibt es bei den Eket, die "ekpo"-Gesellschaft, daneben gibt es noch die "idiong"-Gesellschaft, eine Vereinigung der Wahrsager, die "ekong"-Gesellschaft, die nach dem Kriegsgott benannt ist und die "ogbom"-Vereinigung, die die Göttin der Erde und Fruchtbarkeit verehrt.
H: 47 cm
Provenienz
Pierre Dartevelle, Brussels, Belgium
Vergleichsliteratur
Neyt, Francois, L'Art Eket, Paris 1979, ill. 48
Preis: 3000 - 6000 €
455 Anthropomorphe Gesichtsmaske
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Nigeria, Ibibio
Holz, dunkelbraune, stellenweise stark krustierte Patina, Kaolin, expressive Formensprache: in überdimensional großen runden Höhlen liegende, halbkugelförmige Augen und ein oval durchbrochener Mund mit spitzen Zähnen die Gesichtskontur definierend, rautenförmige Öffnung als Nase, best., kleinere Fehlstellen (Augen, Mund, Brauen), rückseitig am Rand und innen starke Spuren von Insektenfrass, auf Metallsockel montiert
H: 37 cm
Provenienz
Sol & Josephine Levitt, New York, USA
Verkauft.
456 Klappkiefermaske "idiok ekpo"
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Nigeria, Ibibio
Holz, schwarze Patina, von expressiver Formensprache, voluminöse Hängebacken, Durchbrüche in der Augenzone als Sehöffnungen für den Maskenträger, Querholz rückseitig zum zusätzlichen Fixieren der Maske mit den Zähnen, Klappkiefer mit spitzer oberer Zahnreihe, mittels Pflanzenfaser fixiert, best., Fehlstellen (Zähne, Klappkiefer links außen, Augen)
H: 28 cm, coll. in situ, 1970
Vergleichsliteratur
Wittmer, Marcilene K., Arnett, William, Three Rivers of Nigeria, Atlanta 1978, p. 64 f.
Preis: 600 - 1200 €
457 Zwei Deformationsmasken "idiok ekpo"
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Nigeria, Ibibio
Holz, schwarzbraune Patina, stellenweise krustiert, beide mit stark dislozierten Gesichtszügen, eine zylinderförmig aufgewölbte Maske mit gelängter rüsselartig gebogener Nase und schiefem Mund; die zweite Maske mit Zackenbart, verkrümmter Nase und entblößtem Gebiss, beide best., mit kleineren Fehlstellen, bei der zylinderförmigen Maske Spuren von Insektenfrass im Stirnbereich; Krankheitsmasken kommen bei einer ganzen Reihe von Volksgruppen Afrikas vor. Neben der "gangosa pharyngitis" (Frambösie) ist es vor allem die Gesichtslähmung die darstellt wird. Diese Krankheiten werden als Zeichen des Bösen angesehen und werden deshalb häufig bei den "häßlichen Geistmasken" thematisiert.
H: 28 cm resp. 31 cm, coll. in situ, 1970
Vergleichsliteratur
Herreman, Frank, To Cure and Protect, Sickness and Health in African Art, New York 1999, p. 12
Verkauft.
458 Zwei Masken
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Nigeria, Ibibio
Holz, schwarze Patina, eine tropfenförmig konturierte Maske mit rautenförmig zugespitztem, zähnezeigendem Mund, Reste von farbiger Bemalung, Farbabblätterungen, Fehlstellen durch Insektenfrass (rechtes Auge, Rückseite, Randzone); Klappkiefermaske "idiok ekpo", min. Reste von indigoblauem Pigment, der Unterkiefer fehlend, Farbabblätterungen, best., Fehlstellen (Nase, Mund, Augen, Zähne), Spuren von Insektenfrass rückseitig
H: 29,5 cm resp. 21 cm, coll. in situ, 1970
Verkauft.
459 Klappkiefermaske "idiok ekpo"
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Nigeria, Ibibio
Holz, schwarzbraune, stellenweise krustierte Patina, Kaolin (Augenzone), beherrscht durch große, durchbrochen gearbeitete Augen, akzentuiert durch kräftige Brauen und durch paarweise angeordnete tubusförmige Fortsätze an den Seiten, noppenförmige Erhebung in der Stirnmitte, mittels Pflanzenfaser befestigter Klappkiefer mit gezackter Zahnreihe im Inneren, min. besch., Risse (Kopf, rechter Rand), alte Reparaturstelle (Rand links), Farbabrieb, auf Metallsockel montiert; bei den Aufzügen der "ekpo"-Gesellschaft verwendet. Dabei werden zwei Gruppen unterschieden: die "idiok" oder "ugly ghost"-Masken, die umherirrende Geister darstellen und die "mfon"-Masken, die jene Geister symbolisieren, die bereits ins Paradies gelangt sind. Zu den "idiok" Masken zählen auch die Krankeitsmasken.
H: 29 cm
Provenienz
Galerie Fred Jahn, Munich, Germany
Vergleichsliteratur
Wittmer, Marcilene K., Arnett, William, Three Rivers of Nigeria, Atlanta 1978, p. 64 f.
Kerchache, Jacques, Paudrat, Jean-Louis u.a., Die Kunst des Schwarzen Afrika, Freiburg, Basel, Wien 1988, p. 562 f.
Schädler, Karl-Ferdinand, Encyclopedia of African Art and Culture, München 2009, p. 278
Verkauft.
460 Gesichtsmaske
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Nigeria, Igala
Holz, dunkelbraune Patina, Kaolin, Spuren von schwarzer Farbe, halbkugelförmige Kopfpartie mit dachartig vorkragender Stirn, das konkav eingewölbte Gesichtsfeld in einem rosettenförmigen Mund endend, diagonale Ritzskarifikationen an den Schläfen, Rillenfrisur, Beopferungsspuren am Kopf (Federn), Fehlstelle (rückseitig am oberen Rand), auf Metallsockel; die Igala sind am linken Ufer des Niger, südlich seines Zusammenflusses mit dem Benue ansässig. Ihre direkten Nachbarn sind die Igbo und die Idoma, aber sie haben seit jeher Kontakte mit den Bini, den Yoruba und den Jukun unterhalten. An zwei Tagen im Jahr werden die Geister der Ahnen geehrt - an einem Tag in der Regenzeit und an einem in der Trockenzeit. An diesen Tagen die "ote egu" genannt werden, erscheinen alle Masken. Dabei treten außer Ahnengeistmasken eine Reihe von königlichen Masken, sowie zoomorphe Masken auf.
H: 34 cm
Provenienz
Yves & Ewa Develon, Paris, France
Publiziert in
Het HOOFD Ten Voeten Uit, The Head, A Full-Length Portrait, Dr. Guislain Museum, Ghent 2001
Preis: 8000 - 15000 €
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