Die Macht der Ahnen und Geister
veröffentlicht: 16. Juni 2008
Rund 550 Kunstobjekte werden zur 54. Tribal Art Auktion am 5. Juli 2008 aufgerufen.
Spitzenstück ist eine seltene Gon-Maske der Kwele aus Gabun aus dem frühen 19. Jahrhundert (lot 418). Sie entstammt einer alten französischen Kolonialsammlung und gelangte noch während der Kolonialzeit nach Europa.
Dieser Gorilla-Maskentyp, auch Gon genannt, gilt im Kunstmarkt als besondere Rarität, vergleichbare authentische Stücke finden sich nur in den Pariser Museen Dapper und Quai Branly sowie in Privatsammlungen; zuletzt versteigert wurde ein ähnlicher Maskentyp bei Guy Loudmer 1991 in Paris für 400.000 französische Francs.
Sowohl Seltenheitswert als auch die überaus moderate Taxierung von 60.000 € lassen ein Vielfaches erwarten.
Er ist in der Literatur belegt und mit Simonis, einem der wichtigsten Provenienzen Deutschlands versehen; er ist nicht nur alt und authentisch, sondern eines der wenigen Ekoi-Objekte, die auch kultisch verwendet wurden: ein männlicher Ejagham (Ekoi) Kopftanzaufsatz des Ngbe- (Leoparden)bundes, Nigeria / Kamerun, von hervorragender Qualität und somit ein weiteres Highlight der Auktion (lot 327). Aufrufpreis: 8.000 €.
Nicht gesichert ist, ob es sich beim Hautüberzug um menschliches oder tierisches Gewebe handelt. Ursprünglich bestanden diese Tanzaufsätze aus echten Menschenschädeln von erschlagenen Feinden. Die Schädel wurden zunächst präpariert, dann mit Leder überzogen, mit einer Basis aus Holz oder Korbgeflecht versehen und zum Tanzen aufgesetzt. Später wurden die echten Schädel durch Holz ersetzt. Analog wandelte sich ihre Bedeutung – von der Trophäe zu fiktiven Ahnenschädeln – die nun bei Initiationsriten und Beerdigungszeremonien getragen werden.
Die Skulpturen der Hemba zählen zu den bedeutendsten Kunstwerken Schwarzafrikas (lot 454). Bei den "singiti"-Figuren handelt es sich stets um Darstellungen bedeutender Persönlichkeiten, wie Kriegsfürsten, Gründer von Königsfamilien oder lokale Häuptlinge. Diese Ahnenfiguren bilden ein symbolisches und tatsächliches Bindeglied zwischen früheren Generationen und momentanen Herrschern, deren Familien die Pflege und Obhut dieser Figuren anvertraut ist. Sie werden in Zeremonialhütten aufbewahrt, wo ihnen mit Gebeten und Opfern gehuldigt wird. Die offenen Handflächen, die seitlich des Bauches ruhen, scheinen bereit zu sein, die Aufmerksamkeiten der Nachfahren anzunehmen. Provenienz: alte belgische Sammlung sowie Alain Lecomte, Paris. (Limit 25.000 €).
Langnasen sind Geisterwesen, sie sichern die Nahrungsversorgung bei großen Zeremonialfesten. So zumindest bei den Geistmasken der Sepik aus Papua-Neuguinea. Eine besonders schön gearbeitete und zudem recht alte Maske eines mythischen Geistwesens (vermutlich des Geistes »tangbwal«) wird unter den Ozeanienobjekten versteigert (lot 23). Sie stammt aus einer privaten Sammlung in Frankreich und ist mit 12.000 € angesetzt.
Generell gilt, dass aus dem Gebiet am Unteren Sepik eine lange Nase ein Geisterwesen, hingegen eine kurze, naturalistische Nase einen echten Ahnen wiedergeben soll. Die Geister rief man an, damit sie die Nahrungsversorgung für große Zeremonialfeiern sicherstellten. Ungefähr drei oder vier Monate vor einem solchen Fest tauchten maskierte Tänzer im Dorf auf. Sie verboten das Sammeln von Kokosnüssen und sorgten auch für die Einhaltung dieses Ver-botes. Sobald genug Kokosnüsse für das Fest angesammelt waren, verließen sie das Dorf in einem mythischen Boot.
Gleich fünf Privatsammlungen kommen im Juli erstmals unter den Hammer. Aus dem Eigentum einer Stuttgarter Privatsammlung für zeitgenössische und außereuropäische Kunst (ab lot 177 bis lot 214) gelangen rund vierzig Objekte zum Aufruf, darunter frühe Arbeiten aus Westafrika und Papua-Neuguinea . Die meisten Objekte wurden in den 60er und 70er Jahren bei Serge Brignoni erworben, einige verweisen auf das Stuttgarter Linden-Museum.
Serge Brignoni (1903 – 2002), wichtiger Vertreter der Avantgarde des 20. Jahr-hunderts, hatte als Maler und Plastiker während seiner Studienzeit in Paris selbst großes Interesse für außereuropäische Kunst entwickelt und in den Folgejahren eine der wichtigsten Sammlungen Europas mit Objekten aus Afrika, Asien und Ozeanien aufgebaut.
Die Sammlung Sieghart Ott (1934-2005), München, lot 63 bis lot 98, umfaßt rund 80 Objekte. »Die tiefste Motivation des Sammlers entzieht sich dem analytischen Blick und damit einer auch nur annähernden Interpretation«, beschreibt Anneliese Ott das Sammlerengagement ihres 2005 verstorbenen Gatten Sieghart Ott. Der Münchner Rechtsanwalt und Publizist näherte sich der Kunst Afrikas zunächst über die Literatur zu diesem Kontinent. Anfang der 70er Jahre erwarb er erste Objekte aus der Sammlung Karl Woermann, Hamburg, später ließ er sich vom Händler- und Sammlerehepaar Kegel und Konietzko aus Hamburg beraten.
Sieghart Ott starb 2005. Der Versteigerungserlös ist für das Aids-Hilfeprogramm von des Hilfswerks ‚Ärzte ohne Grenzen’ in Afrika bestimmt.
Eng verbunden mit dem Linden-Museum, Stuttgart, ist die Geschichte der Sammlung Helmuth Brust, München, lot 99 bis lot 176. Mit seinem Schwiegervater Brunner, der wie Brust zum Sammlerkreis um den Münchener Kunsthändler Bretschneider zählte, erweiterte Brust seine Sammlung. Gleichsam enge Kontakte pflegte er zum Linden-Museum, Stuttgart, und dessen Afrika-Abteilung. Noch bis in die 1960er Jahre dokumentieren Unterlagen den regen Austausch. Helmuth Brust trennt sich aus Altersgründen von seiner rund achtzig Objekte umfassenden Sammlung, die sich vor allem auf Afrika konzentriert.
Die Sammlung Karstedt, Köln, lot 375 bis lot 401, ist Teil deutscher Kolonialgeschichte, fachethnologisch bearbeitet und ausführlich dokumentiert.
Rund dreißig Objekte umfasst die Kollektion, darunter fein gearbeitete Thronhocker aus dem Kameruner Grasland sowie von den Bafo geschnitzte Figuren, deren Bedeutung und Verwendung bisher nur wenig erforscht sind.
Die Karstedts waren bis zu ihrer Internierung und Abschiebung nach Deutschland (1945) als Pflanzer auf einer Plantage am Kamerun-Berg tätig. In den 1960er Jahren kehrten sie nach Nigeria zurück, aus dieser Zeit stammen einige Objekte der Sammlung.
Mit Unterstützung durch Herrn Dr. Wulf Lohse vom Museum für Völkerkunde in Hamburg konnte die Sammlung fachethnologisch aufgearbeitet und dokumentiert werden. Aus dieser Zeit stammt reger Schriftwechsel mit dem Museum und dem Düsseldorfer Galeristen Alex Vömel, der als einer der ersten nach dem Krieg wieder mit Stammeskunst handelte.
Eine kleine Gruppe von zehn Arbeiten, vorwiegend Keramiken, umfasst die Sammlung Altamerika, lot 51 bis lot 62, die nachweislich 1934 aus Südamerika von Herrn Sommerfeld nach Deutschland gelangte.
Fest installiert hat sich die Stille Auktion für Fachliteratur zum Thema außereuropäische Kunst im Anschluss an die Tribal Art Auktion (rund 200 Lots). Hier kann der Interessierte nur schriftlich Gebote abgeben.
Spitzenstück ist eine seltene Gon-Maske der Kwele aus Gabun aus dem frühen 19. Jahrhundert (lot 418). Sie entstammt einer alten französischen Kolonialsammlung und gelangte noch während der Kolonialzeit nach Europa.
Dieser Gorilla-Maskentyp, auch Gon genannt, gilt im Kunstmarkt als besondere Rarität, vergleichbare authentische Stücke finden sich nur in den Pariser Museen Dapper und Quai Branly sowie in Privatsammlungen; zuletzt versteigert wurde ein ähnlicher Maskentyp bei Guy Loudmer 1991 in Paris für 400.000 französische Francs.
Sowohl Seltenheitswert als auch die überaus moderate Taxierung von 60.000 € lassen ein Vielfaches erwarten.
Er ist in der Literatur belegt und mit Simonis, einem der wichtigsten Provenienzen Deutschlands versehen; er ist nicht nur alt und authentisch, sondern eines der wenigen Ekoi-Objekte, die auch kultisch verwendet wurden: ein männlicher Ejagham (Ekoi) Kopftanzaufsatz des Ngbe- (Leoparden)bundes, Nigeria / Kamerun, von hervorragender Qualität und somit ein weiteres Highlight der Auktion (lot 327). Aufrufpreis: 8.000 €.
Nicht gesichert ist, ob es sich beim Hautüberzug um menschliches oder tierisches Gewebe handelt. Ursprünglich bestanden diese Tanzaufsätze aus echten Menschenschädeln von erschlagenen Feinden. Die Schädel wurden zunächst präpariert, dann mit Leder überzogen, mit einer Basis aus Holz oder Korbgeflecht versehen und zum Tanzen aufgesetzt. Später wurden die echten Schädel durch Holz ersetzt. Analog wandelte sich ihre Bedeutung – von der Trophäe zu fiktiven Ahnenschädeln – die nun bei Initiationsriten und Beerdigungszeremonien getragen werden.
Die Skulpturen der Hemba zählen zu den bedeutendsten Kunstwerken Schwarzafrikas (lot 454). Bei den "singiti"-Figuren handelt es sich stets um Darstellungen bedeutender Persönlichkeiten, wie Kriegsfürsten, Gründer von Königsfamilien oder lokale Häuptlinge. Diese Ahnenfiguren bilden ein symbolisches und tatsächliches Bindeglied zwischen früheren Generationen und momentanen Herrschern, deren Familien die Pflege und Obhut dieser Figuren anvertraut ist. Sie werden in Zeremonialhütten aufbewahrt, wo ihnen mit Gebeten und Opfern gehuldigt wird. Die offenen Handflächen, die seitlich des Bauches ruhen, scheinen bereit zu sein, die Aufmerksamkeiten der Nachfahren anzunehmen. Provenienz: alte belgische Sammlung sowie Alain Lecomte, Paris. (Limit 25.000 €).
Langnasen sind Geisterwesen, sie sichern die Nahrungsversorgung bei großen Zeremonialfesten. So zumindest bei den Geistmasken der Sepik aus Papua-Neuguinea. Eine besonders schön gearbeitete und zudem recht alte Maske eines mythischen Geistwesens (vermutlich des Geistes »tangbwal«) wird unter den Ozeanienobjekten versteigert (lot 23). Sie stammt aus einer privaten Sammlung in Frankreich und ist mit 12.000 € angesetzt.
Generell gilt, dass aus dem Gebiet am Unteren Sepik eine lange Nase ein Geisterwesen, hingegen eine kurze, naturalistische Nase einen echten Ahnen wiedergeben soll. Die Geister rief man an, damit sie die Nahrungsversorgung für große Zeremonialfeiern sicherstellten. Ungefähr drei oder vier Monate vor einem solchen Fest tauchten maskierte Tänzer im Dorf auf. Sie verboten das Sammeln von Kokosnüssen und sorgten auch für die Einhaltung dieses Ver-botes. Sobald genug Kokosnüsse für das Fest angesammelt waren, verließen sie das Dorf in einem mythischen Boot.
Gleich fünf Privatsammlungen kommen im Juli erstmals unter den Hammer. Aus dem Eigentum einer Stuttgarter Privatsammlung für zeitgenössische und außereuropäische Kunst (ab lot 177 bis lot 214) gelangen rund vierzig Objekte zum Aufruf, darunter frühe Arbeiten aus Westafrika und Papua-Neuguinea . Die meisten Objekte wurden in den 60er und 70er Jahren bei Serge Brignoni erworben, einige verweisen auf das Stuttgarter Linden-Museum.
Serge Brignoni (1903 – 2002), wichtiger Vertreter der Avantgarde des 20. Jahr-hunderts, hatte als Maler und Plastiker während seiner Studienzeit in Paris selbst großes Interesse für außereuropäische Kunst entwickelt und in den Folgejahren eine der wichtigsten Sammlungen Europas mit Objekten aus Afrika, Asien und Ozeanien aufgebaut.
Die Sammlung Sieghart Ott (1934-2005), München, lot 63 bis lot 98, umfaßt rund 80 Objekte. »Die tiefste Motivation des Sammlers entzieht sich dem analytischen Blick und damit einer auch nur annähernden Interpretation«, beschreibt Anneliese Ott das Sammlerengagement ihres 2005 verstorbenen Gatten Sieghart Ott. Der Münchner Rechtsanwalt und Publizist näherte sich der Kunst Afrikas zunächst über die Literatur zu diesem Kontinent. Anfang der 70er Jahre erwarb er erste Objekte aus der Sammlung Karl Woermann, Hamburg, später ließ er sich vom Händler- und Sammlerehepaar Kegel und Konietzko aus Hamburg beraten.
Sieghart Ott starb 2005. Der Versteigerungserlös ist für das Aids-Hilfeprogramm von des Hilfswerks ‚Ärzte ohne Grenzen’ in Afrika bestimmt.
Eng verbunden mit dem Linden-Museum, Stuttgart, ist die Geschichte der Sammlung Helmuth Brust, München, lot 99 bis lot 176. Mit seinem Schwiegervater Brunner, der wie Brust zum Sammlerkreis um den Münchener Kunsthändler Bretschneider zählte, erweiterte Brust seine Sammlung. Gleichsam enge Kontakte pflegte er zum Linden-Museum, Stuttgart, und dessen Afrika-Abteilung. Noch bis in die 1960er Jahre dokumentieren Unterlagen den regen Austausch. Helmuth Brust trennt sich aus Altersgründen von seiner rund achtzig Objekte umfassenden Sammlung, die sich vor allem auf Afrika konzentriert.
Die Sammlung Karstedt, Köln, lot 375 bis lot 401, ist Teil deutscher Kolonialgeschichte, fachethnologisch bearbeitet und ausführlich dokumentiert.
Rund dreißig Objekte umfasst die Kollektion, darunter fein gearbeitete Thronhocker aus dem Kameruner Grasland sowie von den Bafo geschnitzte Figuren, deren Bedeutung und Verwendung bisher nur wenig erforscht sind.
Die Karstedts waren bis zu ihrer Internierung und Abschiebung nach Deutschland (1945) als Pflanzer auf einer Plantage am Kamerun-Berg tätig. In den 1960er Jahren kehrten sie nach Nigeria zurück, aus dieser Zeit stammen einige Objekte der Sammlung.
Mit Unterstützung durch Herrn Dr. Wulf Lohse vom Museum für Völkerkunde in Hamburg konnte die Sammlung fachethnologisch aufgearbeitet und dokumentiert werden. Aus dieser Zeit stammt reger Schriftwechsel mit dem Museum und dem Düsseldorfer Galeristen Alex Vömel, der als einer der ersten nach dem Krieg wieder mit Stammeskunst handelte.
Eine kleine Gruppe von zehn Arbeiten, vorwiegend Keramiken, umfasst die Sammlung Altamerika, lot 51 bis lot 62, die nachweislich 1934 aus Südamerika von Herrn Sommerfeld nach Deutschland gelangte.
Fest installiert hat sich die Stille Auktion für Fachliteratur zum Thema außereuropäische Kunst im Anschluss an die Tribal Art Auktion (rund 200 Lots). Hier kann der Interessierte nur schriftlich Gebote abgeben.

