en de
A A A
Zemanek-Münster

Quelle der Inspiration

veröffentlicht: 24. Oktober 2008
Ihre Vorreiterrolle ist heute unbestritten: die Kunst Schwarzafrikas und Ozeaniens lieferte unerschöpfliche Vorlagen für die Moderne. Einmal mehr wird dies in der kommenden Kunstauktion offensichtlich.

Künstlerisch, ethnologisch und preislich interessante Objekte bietet der Katalog, darunter eine Vielzahl mit herausragender Provenienz und von hohem Seltenheitswert.
So eine auf das Wesentliche reduzierte 'akuma' Maske der Jukun, Nigeria (Lot 307), aus der Sammlung Jacques Kerchache, Paris. Kerchache, der an der Realisierung des Musée du Quai Branly entscheidend Einfluss genommen hatte, wählte sie für die große Sonderausstellung anlässlich der Olympischen Spiele 1972 in München. Masken der Jukun sind sehr selten, da die auf einem Plateau lebende Volksgruppe relativ spät, erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, entdeckt wurde. Die hervorragende Tragepatina belegt zudem, dass sie sehr lange im Kult verwendet wurde und daher auf ein beachtliches Alter schließen lässt.

Sehr expressiv auch eine wild wirkende Wächterfigur der 'byeri', Fang, Gabun (Lot 391). Sie wurde lange Zeit im Ritus verwendet, und bei jeder Kulthandlung mit Salben aus Öl und Blut reich bestrichen. Nur sehr selten – wie hier – ist bei Fang-Figuren die rückseitige Öffnung für die magische Masse sichtbar.

Ebenfalls alt, um 1900 datiert, eine männliche Baule Ahnenfigur 'blolo bian', Elfenbeinküste, die durch ihre frühe, subtil archaische Formensprache wirkt und eine sehr schöne Patina besitzt (Lot 178). Die ungewöhnliche Bildung der Augen weist sie geografisch der Sakassou-Region zu. Bevor sie in eine Privatsammlung in Deutschland gelangte, gehörte sie Philippe Guimot, Brüssel, einem der wichtigsten Tribal Art Händlern.

Das Kopffragment einer 'nkisi' Fetischfigur (Lot 471) der Songe, D.R. Kongo, beeindruckt durch seine meisterlich feine Ausarbeitung und Oberflächenbehandlung. Ein vergleichbares Objekt, mit großer Wahrscheinlichkeit von gleicher Hand geschaffen, wurde am 11. Dezember 1978 unter Lot 258 bei Sotheby’s London versteigert. Entsprechend kann man sich das vorliegende Objekt als Fragment einer Halbfigur mit Stoffschurz und einer weiteren Öffnung am Oberkörper zum Einfügen der magischen Substanzen vorstellen.
Geborgen wurde das Kopffragment in situ vor 1974, zuletzt befand es sich in einer belgischen Privatsammlung.

Dem östlichen Bangwa, Kameruner Grasland, zugeordnet wird ein Figurenpaar, das der Kölner Galerist und passionierte Afrikasammler Aloys Faust um 1930 für seine Privatsammlung erwarb (Lot 386). Kultobjekte der Bangwa, noch dazu paarweise erhalten, sind selten und haben in den letzten Jahren hohe Preise erzielt.

Mit der Provenienz Pierre Dartevelle, Brüssel, gelangen gleich mehrere Objekte in die Auktion, darunter eine außerordentlich gut geschnitzte Pfostenfigur (Lot 412) der Basikasingo, D.R. Kongo, die sich durch ein besonders stark reduziertes Gesicht auszeichnet. Kultobjekte der Basikasingo finden sich nur relativ selten im Kunstmarkt.

Ebenfalls selten, weil von der kleinen Volksgruppe Mbala stammend, besticht eine sehr qualitätsvoll gearbeitete, stehende weibliche Figur (Lot 457). Sie gehörte einst zum Schatz des Häuptlings der Mbala, D.R. Kongo.

Eigentlich liegend muss man sich das ausgefallene figurale Trinkgefäß der Koro, Nigeria, vorstellen, dessen Rumpf schalenförmig eingetieft ist (Lot 309). Noch erhalten ist das alte Sammlungsetikett des Schweizer Galeristen und Händlers, Ulrich von Schröder, Zürich. Zu lesen: 'AF 242 VON SCHROEDER'.

Außergewöhnlich gleich in mehrfacher Hinsicht eine männliche Ahnenfigur der Kaka aus Kamerun (Lot 388): Sie erinnert in ihrer massiv kompakten, zugleich edel-herben Formensprache und überaus präsenten Gegenwärtigkeit an die Kunstwelt von Art Brût. Starke Beopferungsspuren weisen auf eine lange Verwendung im Kult und unterstreichen den Gesamteindruck. Außergewöhnlich auch das Motiv einer männlichen Figur mit einem Kind auf dem Rücken.

Aus der Privatsammlung, Dr. phil. Roland Hartmann (*1922 – 2007), St. Gallen, Schweiz, werden rund 34 Kultobjekte aufgerufen, beginnend mit Lot 73 bis Lot 106. Im antiquarischen Buchhandel galt Roland Hartmann als international anerkannte Kapazität, was ihm, dem leidenschaftlichen Kenner und Erkunder alter Kulturen und Schriften und Mitglied der Kommission des Völkerkundemuseums St. Gallen, weit über die Grenzen hinaus hohes Ansehen brachte. Bei der Betrachtung der Kulturen lag sein Schwerpunkt auf dem Zusammenspiel von Kunst und Religion, wobei die Kultobjekte der Yoruba, Nigeria, einen besonderen Platz in seiner Sammlung einnahmen: darunter der Eshu Kult, dargestellt auf den eindrucksvollen Ifa Orakelbrettern, welche die gesamte Bandbreite der verschiedenen Yoruba Regionalstile dokumentieren. Der Shango Kult mit seinen Tanzstäben ist ebenfalls mit einigen qualitätsvollen Objekten vertreten. Bereits in den Sechzigerjahren hatte er in Paris eine Getreidespeichertür der Dogon aus Mali erworben (Lot 74). Sie belegt seine außerordentliche Kennerschaft hinsichtlich Rituale, Form und Inhalt.