Lot: 19

Rednerpult "kawa teget"

Papua-Neuguinea, Iatmul

Provenienz Größe Aufruf / Schätzpreis
collected in situ by Grace Emily Munro (1879–1964), Sidney, Australia
Kevin Conru, London, Great Britain
Dorotheum, Vienna, 4 December 2018, Lot 124
H: 99,5 cm 12000 EUR / 25000 EUR

Holz, Pigmente, Kaurischnecken, min. Reste ornamentaler Bemalung, Risse In der Sprache der Iatmul heißen diese Rednerpulte "kawa teget" - "Blättersitz". Die Bezeichnung leitet sich ab von der Verwendung ritueller Cordyline-Blätter, von denen ein jeder Sprecher einen Strauß in Händen hält und ihn bei jedem wichtigen Punkt seiner Rede auf das Pult schlägt. Jedes Männerhaus besitzt ein "kawa teget", um das die Angehörigen der Sippen kreisförmig Platz nehmen, um den wechselnden Rednern zu lauschen. Es gehört zu den wichtigsten und prestigeträchtigsten Objekten der Iatmul. Das Maskengesicht verkörpert den Klanahnen "wagen", der bei den Debatten helfen soll, zu einer guten Entscheidung zu gelangen. Inhaltich geht es dabei meist um Landbesitz oder Abstammungsfragen. Bei besonderen Anlässen, wie der Taufe eines Kriegs-Einbaums, wurden sie manchmal ins Freie getragen, damit der Ahne das Ereignis als Zeuge begleiten konnte. Dieses Rednerpult wurde vor Ort von Grace Emily Munro (1879-1964) gesammelt, einer bemerkenswerten Frau, die sich früh für Frauenrechte in Australien einsetzte und die ab 1911 nahezu die ganze Welt bereiste. Papua-Neuguinea besuchte sie mehrmals und hielt sich u. a. im Fly River-Gebiet und auf den Trobriand-Inseln auf. 1928 begleitete sie den Brigadegeneral E. A. Wisdom auf seiner jährlichen Tour durch die Häfen des Mandatsgebiets Neuguinea 650 Kilometer flussaufwärts den Sepik Fluß entlang.


Peltier, Philippe et.al., Tanz der Ahnen, Zürich 2015 , p. 170 Meyer, Anthony J.P., Ozeanische Kunst, Vol. I, Köln 1995, p. 222